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Die Pfingstbewegung erreicht Österreich

Artikel baut auf „Geschichte – Die Anfänge der Pfingstbewegung“ auf:

Noch im Jahr 1907 weitete sich die Erweckung von Christiana auf weitere 51 Städte und Dörfer Europas aus. Alle Länder Europas, in denen die Pfingstbewegung noch vor dem ersten Weltkrieg Fußfassen konnte, empfingen die Pfingstbotschaft über Norwegen (einzige Ausnahmen waren Holland und Italien). Auch zu den Schweden, die für die Entstehung der Pfingstbewegung in Österreich eine wichtige Rolle spielten, kam das neue Pfingsten aus Norwegen. Für Österreich können die Anfänge der Pfingstbewegung in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg datiert werden.

Auch Schweden stellte sich seit dem 16. Jahrhundert auf die Seite der Reformation. Im 19. Jahrhundert gab es drei Erweckungsbewegungen, unter anderen auch die Örebro Baptistenbewegung zu der Anfang des 20. Jahrhunderts auch der junge Pastor Lewi Pethrus gehörte. Pethrus erfuhr über ein abgedrucktes Interview in der Zeitung „Dagens Nyheter“ von der Erweckung in Oslo, was großes Interesse bei ihm weckte. Er entschloss sich kurzerhand nach Norwegen zu fahren um sich die Sache aus der Nähe anzusehen. Dieser Besuch stellte den Beginn einer gewaltigen Erweckung in Schweden dar. In den Jahren 1907 und 1908 besuchte Barratt das Land und stärkte die junge Bewegung. Neben den Methodisten trieben in den Anfangsjahren besonders die Baptisten die Ausbreitung der Pfingsterweckung in Schweden voran. Nach nicht vielen Jahren gründete Pethrus die Philadelphiagemeinde in Stockholm. Im Jahre 1913 trennte sich die junge Pfingstbewegung von der Baptistenbewegung und schloss sich Lewi Pethrus und der Stockholmer Philadelphiagemeinde an. Diese wurde mit kongregationalistischer Struktur[1] aufgebaut und bekam bald großen Zuwachs von vielen anderen Gemeinden, besonders nachdem sie unabhängig geworden war. Die Bewegung breitete sich sehr schnell aus und sammelte sich besonders um Pethrus. Die Philadelphiagemeinde in Stockholm wuchs rasch und ist heute die größte Pfingstkirche Westeuropas.

Nicht lange nachdem die Bewegung in Schweden Fuß gefasst hatte wurde auch schon ein umfangreiches Missionsprogramm gestartet. Die ersten Missionare wurden bereits 1916 ausgesandt und schon im Jahre 1938 war die Pfingstbewegung mit über 200 ausgesandten Missionaren die größte Missionsgesellschaft in Schweden. Heute hat die schwedische Pfingstbewegung etwa 500 bis 600 Missionare, die aktiv auf den Missionsfeldern dieser Erde arbeiten.

Eines der Missionsländer, in die die Stockholmer Philadelphiagemeinde ihre Missionare noch vor dem ersten Weltkrieg aussandte war Österreich. Zu erwähnen wären hier Alwin Christensson, Georg Steen, Elisabeth Phil, Thure Roos und Elof Hannsson-Rytterfeldt. Durch die hingebungsvolle missionarische Tätigkeit dieser Männer und Frauen Gottes entstanden in Wien die „Freie Christengemeinde Philadelphia“ und die „Freie Christengemeinde Salem“. Nach einer Zeit schlossen sich die beiden Gemeinden aber zusammen und zählten bis zu 200 Mitglieder. Die junge Wiener Pfingstgemeinde zeichnete sich vor allem durch ihren starken evangelistischen Eifer aus.

Erschwert wurde die Arbeit der beginnenden kleinen Pfingstbewegung durch das im Jahre 1936 ausgerufene Versammlungsverbot von staatlich nicht anerkannten Religionsgemeinschaften. Auch alle Missionare wurden gezwungen das Land zu verlassen. Die junge Pfingstbewegung war nun auf sich selbst gestellt. Nachdem 1938 Österreich in das Deutsche Reich integriert wurde gelang es jedoch durch einen Zusammenschluss mit der in Deutschland bereits seit 1934 genehmigten und behördlich eingetragenen Gemeinde „Deutsche Volksmission entschiedener Christen Berlin“ – gegründet von Karl Fix – dieses Versammlungsverbot zu umgehen. Die Gemeindearbeit konnte fortgesetzt werden. Durch den verheerenden zweiten Weltkrieg schrumpfte die Gemeinde jedoch wieder auf etwa 30 Personen. Nach dem Krieg wurde aufs Neue eine intensive evangelistische Arbeit gestartet und so wurden aus 30 Gläubigen über einige Jahre wieder etwa 150 Gläubige.

Ende der 20er Jahre wurde auch im Salzkammergut eifrig missioniert. Josef Enzinger war in Fuschl am See geboren, ging aber später in die Schweiz und bekehrte sich dort (Wädenswil).

Die Schweizer empfingen die Pfingstbotschaft – wie die meisten anderen europäischen Länder auch – ebenfalls über Norwegen. Die norwegischen Missionare Agnes Telle und Dagmar Gregersen trugen das Pfingstzeugnis bereits 1907 von Kassel nach Zürich und durch darauffolgende Besuche von Barratt festigte sich die junge Pfingstbewegung.

Nach seiner Bekehrung wuchs nun im Herzen Enzingers ein großes Verlangen die Erfahrung in seine Heimat zu bringen und so wurde er von Predigern der Schweizer Pfingst Mission nach Fuschl begleitet. Nach intensiver missionarischer Betätigung wurde eine Gemeinde gegründet, die zunächst noch von Schweizer Missionaren betreut wurde. Im Jahre 1933 übernahm jedoch der örtliche Bäckermeister und Friseur Karl Sommer, der sich ebenfalls im Zuge dieser Missionsarbeit bekehrte, die Betreuung der Gemeinde. Trotz teilweise erheblicher Schwierigkeiten mit dem durch und durch katholisch geprägten Umfeld überlebte die Gemeinde und Menschen kamen weiter zum Glauben. Das 1936 ausgerufene Versammlungsverbot umgingen die Gemeinden im Salzkammergut indem sie sich 1938 den Baptistengemeinden anschlossen.

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele, deutsche, gläubige Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien in das vom Krieg gezeichnete Österreich und in guter Zusammenarbeit mit den übrig gebliebenen österreichischen Gläubigen wurde die Gemeindearbeit im Raum Wien, im Burgenland, im Salzburger Land u.a. wieder aufgenommen. Am 14. Dezember 1946 trafen sich dann 26 Prediger in einer Flüchtlingswohnung in Sattledt (Oberösterreich) – unter ihnen Leute, die durch den Krieg fast alles verloren haben – und gründeten, mit einer Begeisterung für die Arbeit am Reich Gottes im Herzen, die „Freien Christengemeinden Österreichs“. Ein Ältestenrat wurde berufen und das Missionsfeld Österreich wurde in fünf Arbeitsdistrikte eingeteilt. Die Pfingstbewegung hatte nun endgültig begonnen in Österreich Fuß zu fassen.

Mittlerweile beschränkt sich das pfingstlich/charismatische Christentum in Österreich nicht mehr allein auf die Freien Christengemeinden. Seit dem Einzug des Pfingstzeugnisses in Österreich durch erste schwedische und auch schweizer Missionare haben noch einige weitere pfingstlich/charismatische Strömungen Österreich erreicht, unter anderem sind da z.B. die rumänische Gemeinde Gottes, die Geschäftsleute des vollen Evangeliums, die Vereinigte Pfingstgemeinde (Jesus-Only) und andere Freie Charismatische Gemeinden.

Die pfingstliche Pionierarbeit in Österreich, die im Weiteren zur Gründung der Freien Christengemeinden Österreichs führte, wurde allerdings von Schweden, der Schweiz (Zwischenkriegszeit) und den Pfingstlern aus den volksdeutschen Gebieten (nach dem zweiten Weltkrieg) geleistet.


[1] Diese Struktur betont besonders die Eigenständigkeit der Lokalgemeinde.

Daniel Grader, 28.02.2006