Vision Weinviertel – Q3 & Q4 / 2018

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Worüber darf man als Christ lachen?

„Was ist der Unterschied zwischen einem Telefon und einem Politiker? Das Telefon darf man aufhängen, nachdem man sich verwählt hat.“

Bist du ein „guter Christ“? Hast du darüber gelacht oder geschmunzelt? War deine Reaktion denn ok oder wünschenswert? Was sagt die Bibel dazu? Konntest du deine Reaktion überhaupt so schnell steuern? Was tust du, wenn du, deiner Meinung nach, falsch reagiert hast?

Als ich diesen Witz (und einige andere) gelesen habe, habe ich herzhaft darüber gelacht. Manchmal passiert es mir auch, dass ich reflexartig über Dinge lache, die eigentlich eher ernst wären (gewissermaßen ist das dieser Witz ja auch). Kennst du das? Warum ist das so? Nun eine Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Hier spielen verschiedene psychologische, soziale und auch medizinische Aspekte eine Rolle. Hintergründe für unser Lachen können z.B. Freude, Zustimmung, Ausgleich, Verachtung, Geringschätzung oder Selbstschutz sein, etwa um eine peinliche Situation zu entschärfen. Lachen findet sogar in manchen Therapien Anwendung, da durch die Ausschüttung von Hormonen das Immunsystem gestärkt und dadurch Krankheiten vorgebeugt werden soll.

Ist es aber möglich völlig zu kontrollieren worüber man lacht? Die Fragestellung: „darf ich“ oder „darf ich nicht“ ist aus meiner Sicht nämlich nur dann angebracht, wenn es tatsächlich so wäre. Es gibt Christen, die in ihrem Alltag nach den Kategorien „darf ich“ und „darf ich nicht“ handeln. Als Grundlage für diese Art der Lebensführung wird – wie könnte es auch anders sein – die Bibel angegeben. Denke ich jedoch einen Augenblick über die oben gestellten Fragen nach, komme ich recht schnell zu dem Schluss, dass dies ein sehr mühsames und unsicheres Christenleben sein muss. Was sagt eigentlich die Heilige Schrift zu diesem Thema? Verlangt sie hier vielleicht sogar totale Selbstbeherrschung?

Als ich die Bibel zum Thema „lachen“ untersucht habe, habe ich einmal mehr erlebt wie diese immer wieder Überraschungen bereit hält: Im Alten Testament gibt es zwei hebräische Verben für „lachen“, von denen eines nur einmal neutral verwendet wird (Pred 3,4), ansonsten werden beide insgesamt 20x durchgehend im Sinne von „auslachen“ gebraucht. Das Neue Testament kennt ebenfalls zwei griechische Verben, die allerdings insgesamt nur vier Mal vorkommen, davon drei Mal im Sinne von „auslachen“ oder „sich lustig machen“. Was sollen wir davon halten? Nun, die Bibel gibt uns ein erfrischend menschliches Bild davon wie und worüber Menschen lachten, sie macht jedoch keinerlei Vorschriften! Wir können darüber lesen wie Menschen über andere Menschen lachten (Hi 30,1; Spr 29,9), wie über Jesus gelacht wurde (Mk 5,40) und sogar wie Gott über Menschen lacht (Ps 2,4; 37,13). Es handelt sich fast durchgehend um spontane oder reflexartige Reaktionen auf Umstände und Einflüsse, die von den Verfassern meist nicht weiter gewertet werden.

Wenn es uns also nicht möglich ist – und es auch nicht verlangt wird – durchgehend zu kontrollieren worüber wir lachen, kann man auch keine feste Antwort auf die Frage worüber ein Christ lachen darf geben. Soweit jedoch Kontrolle möglich ist, empfehle ich es mit Paulus zu halten: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt; alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.“ (1Kor 10,23). Ich für meinen Teil finde, dass auch die Aussage, die Charlie Chaplin gemacht haben soll – soweit es ums Lachen im positiven Sinn geht – eine wertvolle ist: „Ein Tag ohne lachen ist ein verlorener Tag.“

Daniel Grader, 10.06.2009