Vision Weinviertel – Q3 & Q4 / 2018

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Die Anfänge der Pfingstbewegung

Was die Pfingstbewegung zu etwas wirklich außergewöhnlichem macht ist vor allem ihr enormes, weltweites Wachstum. Auf unserer Erde leben heute etwa 6 Milliarden Menschen. Davon sind laut weltweit anerkannten Missionsstatistikern etwa zwei Milliarden Christen. Rund eine Milliarde Mitglieder zählt die Katholische Kirche. Das pfingstlich-charismatische Christentum hat derzeit etwa 540 Millionen Zugehörige. Erstaunlich daran ist, dass die Katholische Kirche bereits seit Pfingsten vor 2000 Jahren am wachsen ist, die Pfingstbewegung aber erst seit 100 Jahren. Das jährliche Wachstum der pfingstlich-charismatischen Christenheit beträgt zurzeit etwa 7%. Damit wächst sie gut 5 Mal schneller als die Weltbevölkerung (1,3%).

Das Werk, das Jesus mit zwölf einfachen, ungebildeten Menschen angefangen hat und das durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte so viel an Korruption und Verformung erdulden musste, ist bis heute nicht gestorben. Der Same den Gott in diese Menschheit gepflanzt hat, ist am Aufgehen und kann durch nichts aufgehalten werden.

Durch beinahe die gesamte Kirchengeschichte gab es immer wieder erweckliche Aufbrüche. Menschen entdeckten die Missstände in der Kirche und gingen mehr oder weniger erfolgreich dagegen vor. Die Pfingstbewegung ist also bei weitem nicht die einzige Erweckungsbewegung, die es gab. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits in vielen Teilen der Erde Erweckungen. Auch das Gebet in neuen Zungen und die Bezeichnung „pfingstlich“ war unter vielen Gläubigen nichts Unbekanntes mehr. Der weltweite Durchbruch blieb aber den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts vorbehalten. Zu der Zeit war in vielen Gläubigen ein starker Hunger nach persönlicher Heiligkeit vorhanden und die Erwartung eines neuen Pfingsten war sehr groß. Der Nährboden für den Beginn der Pfingstbewegung war damit gut vorbereitet.

Innerhalb der amerikanischen Heiligungsbewegung war Charles Fox Parham ein bekannter Prediger und Leiter der Bethel Bible School in Topeka/Kansas. Er gab seinen Schülern den Auftrag die Apostelgeschichte zu studieren und die Zeichen für die Erfüllung mit dem Heiligen Geist herauszuarbeiten. Viele seiner Stundenten kamen zu dem Ergebnis, dass der Beweis für die empfangene Geistestaufe nach Apg 2,4 das Gebet in neuen Zungen ist. Parham war es, der die Lehre vom „initial evidence“, vom Zeichen der Zungenrede als Beweis für die empfangene Geistestaufe entwickelte und diese Erkenntnis sollte im Weiteren auch als Grundlage für die Entstehung der Pfingstbewegung dienen.

Zur selben Zeit wirkte der junge, schwarze Laienprediger William James Seymour. Er wurde als Kind ehemaliger Sklaven geboren und wuchs Angesichts eines tief im gesellschaftlichen Denken verwurzelten Rassenhasses unter sehr schweren Bedingungen auf. Trotz endloser Demütigungen entwickelte er jedoch eine erstaunliche Festigkeit im Glauben. Als junger Prediger besuchte er zeitweise Parhams Bibelschule. Da dieser vom rassistischen Umfeld der Südstaaten ebenfalls sehr geprägt war erlaubte er ihm – großzügiger Weise – den Unterricht vor leicht geöffneter Klassentüre mit zu verfolgen. Seymour war dennoch von Parhams Lehre über die Zungenrede als erstes Zeichen der Geistestaufe begeistert und begann diese Erkenntnis nun selbst zu lehren.

Im Februar des Jahres 1906 erhielt Seymour von Julia Hutchins, der Pastorin einer schwarzen Heiligungsgemeinschaft, eine Einladung nach Los Angeles zum Predigen. Selbstverständlich sprach er über die Taufe im Heiligen Geist und die Zungenrede. Was er den Gläubigen jedoch damit zumutete war einfach zu viel. Die meisten Mitglieder waren davon überzeugt, dass sie den Heiligen Geist bereits empfangen hatten und nun erzählte ihnen ein dahergelaufener junger Prediger, dass jeder, der nicht in neuen Zungen betet, diesen noch nicht erlebt hat. Auf Beschluss der Gemeindeleitung wurde Seymour kurzerhand vor die Tür gesetzt. Unter anderem deshalb, weil er die Geistestaufe mit Zungenreden, von der er so hingebungsvoll predigte, selbst nicht erlebt hat.

Von diesem Zeitpunkt an begann Seymour Versammlungen in Privathäusern abzuhalten. Richard und Ruth Asbery boten ihm an die Versammlungen in ihrem Haus in der Bonnie Brae Street weiterzuführen. Schwarze und weiße Gläubige begannen in diesem Haus gemeinsam stundenlang Gott zu suchen und am 9. April 1906 kam Gottes Gegenwart gewaltig auf diese Versammlung nieder. Viele begannen in neuen Zungen zu beten, auch Seymour selbst erlebte in den folgenden Tagen nach stundenlangem ausharren im Gebet sein Pfingsten. An diesem Ort wurden viele Menschen gerettet, Kranke geheilt und bald war kein Platz mehr da um die heranströmenden Menschenmassen aufzunehmen.

Seymour mietete nun ein baufälliges, altes Kirchengebäude, in der Azusa Street 312, in dem sich früher die African Methodist Episcopal Church traf, und in dem nun ein Bauunternehmer sein Material lagerte. In diesem etwa 200 Quadratmeter großen Raum, dessen Fußboden noch mit Sägemehl bedeckt war, dessen Bänke auf leere Kisten gelegte Bretter waren und in dem die Kanzel aus zwei zusammengeschobenen Schuhregalen bestand, war Gott so gegenwärtig, dass die stärksten Männer sich demütigten und Buße taten. Manche gerieten schon bevor sie das Gebäude überhaupt betraten unter die Kraft Gottes. Reichgottesmitarbeiter kamen von überall her um dies selbst zu erleben. Von Azusa breitete sich die Pfingstbewegung wie ein Lauffeuer über die ganze Erde aus.

Im Herbst desselben Jahres trat Thomas Ball Barratt eine USA Reise an um Spenden für die Arbeit der Osloer Stadtmission zu sammeln. Die Reise war jedoch kein großer Erfolg und so wohnte er in einem NewYorker Missionshaus. Durch den Besuch einiger Treffen der dortigen Heiligungsbewegung hörte er zum ersten Mal von den Ereignissen in L.A. Thomas begann sich nun durch die Zeitschrift „The Apostolic Faith“ und weitere Korrespondenz über diese Erweckung zu erkundigen und wollte die Reise dorthin ebenfalls antreten. Da Barratt dem Gebet sehr hingegeben war verbrachte er auch kurz vor seiner Abreise Zeit mit Gott und bat im Zuge dessen auch um die Pfingsterfahrung. Darauf erlebte er Gottes Gegenwart beinahe einen ganzen Tag sehr eindrücklich und nachdem er weiter anhaltend im Gebet verweilte, erlebte er schließlich auch seine Geistestaufe mit Zungenreden.

Am 8. Dezember 1906 kehrte Barratt nach Christiana (Oslo) zurück. Er bezeugte die Taufe im Heiligen Geist von da an mit großer Kraft und bereits zwei Wochen später sprachen 16 weitere Pastoren in neuen Zungen. Er begann große Versammlungen in der Turnhalle eines Gymnasiums abzuhalten. Die Menschenmassen, die diese Veranstaltungen besuchten waren so groß, dass der Verkehr von der Polizei geregelt werden musste und es dauerte nicht lange, da erschienen die Gottesdienste auch auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Unter anderem wurden die Veranstaltungen von der Presse als „Idiotenfabrik“ tituliert. Das behinderte jedoch keineswegs die Pfingsterweckung in Europa. Zahlreiche Erweckungssuchende Reichgottesmitarbeiter Europas kamen nach Christiana um die Pfingstbotschaft zu hören und Feuer zu fangen und noch im Jahr 1907 weitete sich die Erweckung auf viele weitere Städte Europas aus.

Wenn man nach den Kennzeichen der Anfänge dieser so rasant wachsenden Pfingstbewegung fragt, so kann man vor allem folgende entdecken:

1.  Ein Hunger nach einem Gott wohlgefälligem Leben in den Herzen der Menschen.

2.  Ein beständiges Suchen der Gegenwart Gottes und eine Bereitschaft Zeit dafür zu investieren.

3.  Eine Bereitschaft zur Buße und zur persönlichen Veränderung.

4.  Eine Liebe zu Jesus und ein Verlangen ihm und allen Menschen zu dienen.

Dies alles sind Eigenschaften, die der Heilige Geist in Herzen von Menschen bewirkt. Wenn wir danach fragen ob oder wie stark der Heilige Geist in und durch uns wirksam ist, sollten wir zuerst untersuchen wie es mit diesen Eigenschaften bei uns aussieht. Ich denke, dass man einen echten Pfingstler vor allem an diesen Dingen erkennt und nicht allein am Zungengebet.

Daniel Grader, 15.03.2006